Kindheit in der „Stunde Null“

Heike Biskup hat mit Philipp Seibert die Ausstellung zusammengestellt. Seibert trägt die Nachbildung einer US-Army-Uniform.

Stadtarchiv zeigt Fotos und Objekte aus der Nachkriegszeit

Die Verheerungen der Bombenächte sind nach dem Ende der Zweiten Weltkrieg überall sichtbar und bestimmen den Alltag der Menschen. Mit den Zerstörrungen gehen Hunger, Not und der tägliche Kampf ums Überleben einher. Das Leben und das Leid der Kinder in den ersten Nachkriegsjahren thematisiert jetzt eine Ausstellung in der Stadtgalerie im August-Everding-Kulturzentrum.  Das Stadtarchiv zeigt in der Ausstellung „Kindheit in der Nachkriegszeit – in Bottrop und anderswo“ Fotos aus der Sammlung von Michael-Andreas Wahle.

Die schwarz-weiß Fotos zeigen den Alltag der Kinder und Jugendlichen. Entstanden sind die Bilder im Auftrag der Alliierten, um in der Heimat über die Lage in Deutschland zu informieren. Die Fotografien vermitteln einen Eindruck von der Lebenssituation. Sie zeigen die Wohnverhältnisse, Gesundheitsuntersuchungen und die Lebensmittelversorgung. Zwischen improvisierten Unterkünften und zerbombten Häusern dokumentieren die professionellen Aufnahmen zugleich den Neuanfang und Wiederaufbau.

In Bottrop war der Krieg am 28. März 1945 mit dem Einmarsch der Amerikaner zu Ende. Der Tag der Kapitulation am 8. Mai 1945 wurde scheinbar ohne große Emotionen zur Kenntnis genommen. So schildern es Zeitzeugen im Gespräch mit der Stadtarchivarin Heike Biskup. Über drei Stunden Video und Audiomaterial können sich die Ausstellungsbesucher anhören. In ihren Berichten schildern sie, wie sie als Kinder das Ende der Kampfhandlungen und die unmittelbare Nachkriegszeit erlebt haben. „Sie schildern ihre Erinnerungen mit einer Genauigkeit und Präzession, die mich berührt hat“, sagt Heike Biskup.

Die Ausstellung zeigt auch Objekte aus einer Sammlung, die Philipp Siebert mit seiner Frau Melanie zusammengetragen hat. Dazu gehören Ausrüstungsgegenstände, die die US-Soldaten mit nach Deutschland gebracht haben, wie beispielsweise Schokolade, Kaugummi und in Dosen haltbar gemachte Lebensmittel. In den Vitrinen sind zudem Geldscheine, Dokumente und Lebensmittelkarten zu sehen.

Die Ausstellung hat Archivarin Heike Biskup in einer umfangreichen Recherche über das Internet in britischen und amerikanischen Nationalarchiven, bei privaten Leihgebern und dem Stadtarchiv zusammengetragen. Die zahlreichen, zum Teil erstmals ausgestellten Dokumente und Objekte sind bis zum 10. Mai im Kulturzentrum August Everding zu sehen.

Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, 28. März. Bereits jetzt sind in der Innenstadt große Banner mit historischen Aufnahmen zu sehen. Die Bilder zeigen die Kriegszerstörrungen am jeweiligen Ort.

Am Wochenende Freitag und Samstag, 11. und 12. April, wird Geschichte erlebbar. Im Kulturhof des Kulturzentrums findet ein „Liberation Weekend“ statt. Philipp und Melanie Siebert inszenieren eine Sanitätsstation der US-Army. „Wir werden im Innenhof übernachten und komplett ohne Strom auskommen müssen“, sagt Philipp Siebert. Der Militaria-Experte wird den Besuchern das Leben der Soldaten erklären. Dazu wird er neben dem Lazarett Modelle von Waffen und Munition präsentieren. „Wir wollen viel von dem zeigen, wie es damals war und so die Geschichte lebendig werden lassen.“ In der Zeit von jeweils 11 bis 18 Uhr können Kinder ihre Kuscheltiere im „Teddy-Hospital“ operieren lassen. Um die Genesung zu beschleunigen, gibt es eine Tafel Schokolade.

Die Interviews mit den Zeitzeugen zur ihren Kindheitserinnerungen werden am Samstag, 4. April, ab 16 Uhr im Filmforum gezeigt. Im Anschluss an die Präsentation ist Gelegenheit zu Gesprächen und Fragen. Die Interviewausschnitte sind vorab auf dem You-Tube-Kanal von Bottrop zu sehen.

(c) Text: Stadt Bottrop, Foto: Stadt Bottrop

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