Theater am Berufskolleg: American Drama Group fesselt BKB-Publikum mit George Orwells Klassiker „1984“

Schon die erste Szene hat es in sich: Ein Mann liegt auf einem Tisch, wird erst ausgepeitscht, dann von Figuren mit Rattenmasken gequält. Licht und Sound sorgen für düstere Stimmung. Mit reduziert-stimmigem Bühnenbild und überzeugender Schauspielkunst schaffen es die fünf Mimen der American Drama Group auch anschließend die Aufmerksamkeit der gut 200 Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums und einiger FHR-Bildungsgänge hochzuhalten. Und das mit einer Theateradaption eines bereits 1949 geschriebenen Romans und zudem in englischer Sprache.

„Möglicherweise liegt es daran, dass der Roman aktueller ist denn je“, mutmaßt Anna Dosoruth-Lück, gemeinsam mit Conny Wolf und neuerdings auch Ricarda Korzmann verantwortlich für Auswahl, Buchung und Organisation von Theateraufführungen für das Berufskolleg. „Primär hatten wir ‚1984‘ ausgewählt, weil die Thematik „Visions of a future world“ abiturrelevant ist und ich den Roman in den Klassen des Beruflichen Gymnasiums Informatik lese. Außerdem ist uns aus früheren Aufführungen die American Drama Group als hochprofessionelles Ensemble in Erinnerung geblieben“, erläutert Anna Dosoruth-Lück. 

Dass der Roman nicht an Relevanz verloren habe, sei ein weiteres Auswahlkriterium gewesen: „Die 2-Minutes-Hate findet ihr aktuelles Äquivalent möglicherweise im Hatespeech im Internet, all die Diktaturen dieser Welt, die sich der immer gleichen Werkzeuge Angst, Terror und Bespitzelung bedienen, das Ministry of Love, dem reale Foltergefängnisse zum Beispiel in Syrien in nichts nachstehen. Es ist beeindruckend, wie gut George Orwell den Kern menschlicher Natur bereits vor 75 Jahren erkannt hat“, so die Theaterexpertin Dosoruth-Lück begeistert. „Allerdings: Ein Präsident Donald Trump, der ohne Scham lügt und die Wahrheit zur Lüge erklärt, ist sogar noch extremer als Orwells fiktionales Ministry of Truth, das sich zumindest die Mühe macht, die Wahrheit zu redigieren.“

Auch die Schülerschaft äußerte sich durchweg positiv. „Ich fand, dass die Schauspieler sehr gut geschauspielert haben und man sich sehr gut in die Charaktere hineinversetzen konnte. Außerdem war die Bühnengestaltung sehr eindrucksvoll und die Musik und Soundeffekte sehr passend“, sagt zum Beispiel Tom Wagner, Schüler der 1I24A. Und Billur Khalilova lobt sogar noch einen Schritt weiter: „Die Schauspieler haben alles gegeben – die Angst, die Wut, die Verzweiflung der Figuren waren so real, dass man fast selbst das Gefühl hatte, ständig beobachtet zu werden. Die ganze Atmosphäre war krass düster. Das war nicht nur ein Theaterstück, sondern eine Warnung, dass wir aufpassen müssen, wie viel Freiheit wir aufgeben und wie viel Kontrolle wir anderen überlassen.“

(c) Text & Fotos: Berufskolleg Bottrop

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